Beim Einstieg in den stillhalterbasierten Optionshandel stößt man meist schnell auf den klassischen Cash Secured Put (CSP). Die Idee ist einfach: Man verspricht, eine Aktie zu einem günstigeren Kurs zu kaufen und kassiert dafür eine Prämie. Doch diese Strategie hat einen Haken: Sie erfordert erhebliches Kapital. Um beispielsweise einen CSP auf eine 100-Dollar-Aktie zu schreiben, müssen 10.000 Dollar als Sicherheit hinterlegt werden. Für Kontogrößen zwischen 5.000 € und 15.000 € führt das schnell zu einem Klumpenrisiko.
Kernaussage
Credit Spreads und Iron Condors sind risikobegrenzte Optionsstrategien (Spreads). Durch den gleichzeitigen Kauf einer günstigeren Absicherungsoption wird das maximale Risiko von vornherein fest gedeckelt und die Margin-Anforderung drastisch reduziert. Dies macht sie zur optimalen Wahl für kleinere und mittlere Handelskonten.
Die Bausteine: Was ist ein Vertical Credit Spread?
Ein Vertical Spread (oder Credit Spread) entsteht, wenn du eine Option verkaufst (Short) und gleichzeitig eine weiter aus dem Geld liegende Option derselben Art (Put oder Call) mit demselben Verfalldatum kaufst (Long).
- Bull Put Spread (Long-Bias): Du verkaufst einen Put mit höherem Strike (z. B. 95 $) und kaufst einen Put mit tieferem Strike (z. B. 90 $). Du kassierst eine Netto-Prämie. Solange der Aktienkurs am Ende der Laufzeit über 95 $ bleibt, verfallen beide Optionen wertlos und du behältst die Prämie als Gewinn. Fällt die Aktie jedoch unter 90 $, schützt dich der gekaufte 90-Put vor weiteren Verlusten.
- Bear Call Spread (Short-Bias): Das Gegenstück für fallende oder seitwärts tendierende Märkte. Du verkaufst einen Call mit niedrigerem Strike (z. B. 105 $) und kaufst einen Call mit höherem Strike (z. B. 110 $). Dein maximaler Verlust ist auf den Abstand der Strikes abzüglich der Prämie begrenzt.
Der Iron Condor: Die Seitwärts-Maschine
Kombiniert man einen Bull Put Spread und einen Bear Call Spread auf denselben Basiswert, erhält man einen Iron Condor. Du verkaufst also gleichzeitig einen Call-Spread über dem aktuellen Kurs und einen Put-Spread darunter.
Da die Aktie am Ende der Laufzeit nicht gleichzeitig nach oben und unten ausbrechen kann, ist das Risiko auf die breitere der beiden Spannen begrenzt. Du nimmst jedoch doppelte Prämie ein (vom Put-Spread und vom Call-Spread). Der Iron Condor profitiert maximal, wenn die Aktie sich seitwärts bewegt und am Ende der Laufzeit zwischen den beiden Short-Strikes schließt.
Die Vorteile für mittlere Konten (5.000–15.000 €)
Warum eignen sich Spreads so hervorragend für den systematischen Cashflow bei überschaubarem Kapital?
- Geringer Kapitalbedarf (Margin): Die Margin-Anforderung für einen Credit Spread entspricht lediglich der Breite des Spreads abzüglich der eingenommenen Prämie. Bei einem Spread-Abstand von 5 $ beträgt das maximale Risiko (und damit die Margin) bei 1 Kontrakt bis zu 500 $ abzüglich Prämie (z. B. 150 $ Prämie = 350 $ Margin). Bei einem klassischen Cash Secured Put auf den 95-$-Strike aus dem Bull-Put-Beispiel oben wären es dagegen 9.500 $ Margin gewesen (95 $ × 100 Aktien)!
- Definiertes Risiko: Ein plötzlicher Marktcrash kann dich bei einem Spread nicht ruinieren. Der maximale Verlust steht vor dem Trade auf den Cent genau fest. Es gibt kein "unbegrenztes" Risiko nach unten.
- Hohe Flexibilität: Du kannst Spreads auf teurere Indizes wie den SPY oder den Russell 2000 handeln, die für nackte Optionen sonst völlig außer Reichweite lägen.
Auch wenn das Risiko definiert ist, solltest du Credit Spreads nicht einfach blind laufen lassen. Wenn der Kurs deinen Short-Strike testet, ist schnelles Handeln gefragt: Entweder du schließt den Trade vorzeitig zur Begrenzung des Verlusts oder du rollst den Spread zeitlich nach hinten (Roll-Management).
Steuerliche Behandlung von Options-Spreads in Deutschland
Gewinne aus dem Optionshandel unterliegen in Deutschland der Abgeltungsteuer von 25% (zuzüglich 5,5% Solidaritätszuschlag, gesamt 26,375%) sowie gegebenenfalls Kirchensteuer. Jährliche Optionsgewinne und Optionsverluste können im selben Kalenderjahr steuerlich direkt und in voller Höhe miteinander verrechnet werden. Das bedeutet: Wenn du im Jahr 5.000 € Gewinn mit profitablen Spreads erzielt hast, aber auch 2.000 € Verlust mit ausgestoppten Spreads realisieren musstest, versteuerst du per Saldo den echten Nettogewinn von 3.000 € (abzüglich deines Sparer-Pauschbetrags).
Wichtig bei Auslandsdepots (z. B. Interactive Brokers): Bei internationalen Brokern wird die Steuer nicht automatisch einbehalten. Du musst deine Gewinne und Verluste selbstständig deklarieren. Gerne helfe ich dir in meinem Coaching dabei, die Steuerdaten aus Interactive Brokers sauber für deine Einkommensteuererklärung vorzubereiten.
Wenn du den Optionshandel professioneller und mit größeren Konten betreibst, kann die Gründung einer Trading-GmbH (vermögensverwaltende GmbH) von Vorteil sein. Im Betriebsvermögen sind sämtliche Ausgaben rund um deinen Handel (Coaching, Datenströme, Hardware, Büromaterial) als Betriebsausgaben voll abzugsfähig, was im Privatvermögen durch den Sparer-Pauschbetrag abgegolten ist.
Wichtig ist: Im Privatvermögen müssen Gewinne aus dem Optionshandel stets regulär versteuert werden. Eine Steuerstundung lässt sich hier höchstens durch gezieltes Roll-Management realisieren, um Gewinne legal in das nächste Steuerjahr zu verschieben.
Fazit
Spreads sind das Schweizer Taschenmesser für Händler, die mit diszipliniertem Risikomanagement einen regelmäßigen Cashflow erzielen möchten, ohne große Summen an Kapital binden zu müssen. Nutze unseren interaktiven Credit Spread & Iron Condor Rechner, um dein nächstes Setup vorab durchzurechnen.
Im 1:1 Coaching richten wir dein Interactive-Brokers-Konto ein, gehen die genaue Strike-Auswahl für Credit Spreads durch und besprechen wertvolle Tipps zur Steuererklärung.
Zum Coaching & Planer →Ähnliche Artikel:
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