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Covered Calls richtig einordnen

Covered Calls richtig einordnen

Covered Calls wirken auf den ersten Blick einfach und verlockend: Sie halten eine Aktie, verkaufen einen Call darauf und kassieren eine Prämie. Fertig. Doch diese scheinbare Einfachheit verdeckt einen fundamentalen Trade-off, den man bewusst akzeptieren muss — und der in vielen YouTube-Videos und Coaching-Programmen systematisch heruntergespielt wird.

Kernaussage

Ein Covered Call ist kein "Gratiseinkommen auf bestehende Aktien". Er ist eine bewusste Entscheidung, einen Teil des Aufwärtspotenzials gegen eine fixe Prämie einzutauschen. Die Strategie ist nur dann sauber, wenn dieser Tausch zur eigenen Marktmeinung und zur Depotstruktur passt.

Die Mechanik

Sie halten mindestens 100 Aktien eines Unternehmens (ein "Lot"). Zusätzlich verkaufen Sie einen Call-Kontrakt auf diese Position. Damit erteilen Sie dem Käufer das Recht, Ihre Aktien zum vereinbarten Strike-Preis abzukaufen. Im Gegenzug erhalten Sie sofort die Optionsprämie.

Steigt die Aktie über den Strike, werden Ihre Aktien abgerufen (Assignment) — Sie liefern zum Strike und behalten die Prämie. Bleibt die Aktie unter dem Strike, verfällt die Option wertlos, Sie behalten Aktie und Prämie.

Wann die Strategie passt

Der versteckte Trade-off: Die Upside-Begrenzung

Das wird oft übersehen: Mit einem Covered Call setzen Sie eine harte Obergrenze für Ihren Gewinn. Wenn Apple bei $150 steht und Sie einen Call mit Strike $160 verkaufen, ist bei $160 Schluss — egal ob die Aktie auf $180 oder $200 steigt. Die Prämie von vielleicht $3 kompensiert nicht den entgangenen Gewinn von $40.

In starken Bullenmärkten ist der Covered Call deshalb ein systematischer Performance-Killer. Die Strategie glänzt in Seitwärtsphasen und leicht fallenden Märkten — genau dann, wenn die Prämie einen echten Mehrwert gegenüber dem reinen Halten bietet.

Strike-Auswahl und Laufzeit

Die Kunst des Covered Calls liegt in der Strike-Wahl:

Bei der Laufzeit hat sich der Bereich von 30-45 Tagen (DTE) als Sweet Spot etabliert. Der Theta-Decay ist hier am stärksten, und bei Bedarf kann man den Call am Verfall rollen (neuen Call verkaufen).

Wichtige Trennung

Covered Calls gehören zu bestehenden Aktienpositionen. Wenn Sie die Aktie noch gar nicht besitzen, sollten Sie fachlich zuerst über Cash Secured Puts nachdenken — nicht über Covered Calls.

Fazit

Covered Calls sind ein legitimes Werkzeug für Aktionäre, die in ruhigen Marktphasen zusätzlichen Cashflow aus ihrem Bestandsdepot generieren möchten. Aber sie sind keine Gelddruckmaschine und kein "Free Lunch". Wer die Upside-Begrenzung nicht bewusst in Kauf nimmt, wird früher oder später enttäuscht — typischerweise genau dann, wenn die Aktie ohne einen davonzieht.

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